Vom Kremser Schmidt zu Padhi Frieberger

Der 300ste Geburtstag von Martin Johann Schmidt (1718-1801) ist Anlass für die Frage nach dem Kremser Beitrag zur internationalen Moderne. Mit dem Kremser Schmidt war ein überregionaler Künstler-Star im Geiste der Aufklärung in der Donaustadt angekommen. Zwei Jahrhunderte später wurde dieses Bild des anerkannten Bürger-Künstlers durch Padhi Frieberger (1931-2016) ins Gegenteil verkehrt. War Schmidt als Unternehmer, Stadtrat und barocker Künstlerstar der Spitze der Gesellschaft zuzurechnen, so wird zwei Jahrhunderte später Friebergers Welt zum Inbegriff des künstlerischen Widerstands.

 

Zwei weitere Kremser konnten im Grenzbereich zwischen Kunst und Wissenschaft Höchstleistungen vollbringen. Eine Generation nach Schmidt, der fast ein ganzes Leben in seiner Heimatstadt verbracht hatte, wurde Michael Wutky (1739-1822) zum leidenschaftlichen Italien-Reisenden. Er begab sich in Begleitung des englischen Naturwissenschaftlers William Hamilton bis an den Fuß des Vesuvs, um effektvolle Malereien aber auch präzise naturwissenschaftliche Zeichnungen des Vulkans anzufertigen. Josef Maria Eder (1855-1944), Photochemiker und Gründer der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, konnte von Krems aus eine beeindruckende internationale Karriere starten. Es gelangen dem Chemiker (in Zusammenarbeit mit Eduard Valenta) Pionierleistungen wie die photographische Verbreitung der Röntgenstrahlen und die Grundlagenentwicklung des Kinofilms in Zusammenarbeit mit den Brüdern Lumière.

 

Die Ausstellung wirft aber auch einen aktuellen Blick auf den Kremser Schmidt. Mit Werken von Margot Pilz sowie Helmut & Johanna Kandl wird die gesellschaftliche Relevanz der Bildwelt des „Letzten Barockkünstlers“ überprüft. Pilz stellt in der Photoserie „Hommage an Kremser Schmidt“ das Patriachat und seine Religionsvorstellungen in Frage und widmet die Arbeit dem neu erwachten Selbstbewusstsein der feministischen Künstlerinnen. Helmut und Johanna Kandl beschäftigen sich dagegen mit dem Gemälde „Junge Mädchen beim Wahrsager“, einem zentralen Hauptwerk des Künstlers und reflektieren dessen Mehrdeutigkeit.

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